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Anwartschaftsversicherung: Dein Rückfahrschein in die PKV — ohne neue Gesundheitsprüfung

Referendariat vorbei, aber die Planstelle lässt auf sich warten? Heilfürsorge im aktiven Dienst? Elternzeit, Auslandsjahr? Es gibt viele Gründe, die PKV zu pausieren — und einen sehr guten, dabei nicht den Anschluss zu verlieren. Genau dafür gibt es die Anwartschaft.

Aktualisiert: August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Anwartschaftsversicherung hält Dir den Zugang zu Deinem PKV-Tarif offen, während der Vertrag ruht — ohne neue Gesundheitsprüfung bei der Rückkehr.
  • Die kleine Anwartschaft friert Deinen Gesundheitszustand ein; die große sichert zusätzlich Eintrittsalter und Alterungsrückstellungen.
  • Typische Anlässe: Wartezeit auf die Verbeamtung nach dem Referendariat, Heilfürsorge bei Polizei und Feuerwehr, Elternzeit, Auslandsaufenthalt.
  • Die Aktivierungs-Fristen stehen im Vertrag und sind meist kurz — sie zu verpassen kostet den prüfungsfreien Wiedereinstieg.

Der Wert eines PKV-Vertrags steckt nicht nur im Leistungskatalog — er steckt in Deinem Gesundheitszustand und Deinem Eintrittsalter am Tag des Abschlusses. Beides kannst Du nur einmal „einloggen". Eine Anwartschaft konserviert diesen Vorteil, wenn das Leben eine Pause verlangt.

1. Was eine Anwartschaft ist

Eine Anwartschaftsversicherung ist ein ruhender PKV-Vertrag: Du zahlst einen stark reduzierten Beitrag, bekommst währenddessen keine Leistungen — sicherst Dir aber das Recht, den vollen Versicherungsschutz später ohne neue Gesundheitsprüfung zu aktivieren. Alles, was zwischenzeitlich an Diagnosen dazukommt, spielt bei der Rückkehr keine Rolle. Genau das macht sie so wertvoll: Die Gesundheitsprüfung ist das einzige Tor zur PKV, das sich mit den Jahren schließen kann.

2. Kleine vs. große Anwartschaft

Kleine AnwartschaftGroße Anwartschaft
Gesundheitszustand eingefrorenjaja
Keine neue Gesundheitsprüfungjaja
Alterungsrückstellungen laufen weiterneinja
Beitrag bei Aktivierungnach dann erreichtem Alternach ursprünglichem Eintrittsalter
Beitrag während des Ruhensniedrighöher als bei der kleinen
Ideal beikurzen Pausen in jungen Jahrenlangen Pausen — etwa Heilfürsorge bis zur Pension

3. Die typischen Situationen

  • Nach dem Referendariat: Die Planstelle kommt nicht sofort, Du arbeitest übergangsweise angestellt und wirst GKV-pflichtig. Die Anwartschaft hält Deinen Anwärtertarif-Vorteil fest, bis die Verbeamtung da ist — wie das Übergangsjahr insgesamt läuft, liest Du unter PKV-Beitrag nach dem Referendariat.
  • Heilfürsorge im aktiven Dienst: Polizei, Berufsfeuerwehr, Justizvollzug und Soldaten sind im Dienst versorgt — aber die Heilfürsorge endet mit der Pension. Die Anwartschaft sichert den Wechsel in einen beihilfekonformen Tarif zum Ruhestand.
  • Elternzeit und Beurlaubung: Wer vorübergehend über den Partner oder anderweitig abgesichert ist, kann den eigenen Vertrag ruhen lassen, statt ihn zu kündigen.
  • Auslandsaufenthalt: Bei längerer Entsendung oder Auswanderung auf Zeit bleibt der Rückweg in den deutschen Tarif offen.

4. Welche Variante für wen?

Die Entscheidung hängt an zwei Fragen: Wie lange ruht der Vertrag, und wie alt bist Du bei der Rückkehr? Bei einer kurzen Pause in jungen Jahren — dem klassischen Übergangsjahr nach dem Referendariat — reicht die kleine Anwartschaft meist aus: Der Altersunterschied bei der Aktivierung fällt kaum ins Gewicht. Ruht der Vertrag dagegen Jahrzehnte, wie bei Heilfürsorge-Berufen bis zur Pensionierung, wird die große Anwartschaft zur Altersvorsorge: Sie baut die Alterungsrückstellungen weiter auf und sorgt dafür, dass Dein Beitrag im Ruhestand auf dem jungen Eintrittsalter beruht.

Anwärter-Sonderfall: Ausbildungstarife für Anwärter bauen in der Regel keine oder kaum Alterungsrückstellungen auf — hier geht es bei der Anwartschaft vor allem darum, den Gesundheitszustand zu sichern. Welche Kombination bei Deinem Versicherer sinnvoll ist, klären wir im Beamten-Check.

5. Fazit

Kurz gesagt: Die Anwartschaft ist die günstigste Versicherung gegen ein Risiko, das fast jeder unterschätzt — dass die eigene Gesundheit die Rückkehr in die PKV eines Tages teuer oder unmöglich macht. Kleine Anwartschaft für kurze Pausen, große für lange. Und in jedem Fall: Fristen kennen und rechtzeitig abschließen, solange der Anlass noch vor Dir liegt.

Häufige Fragen zur Anwartschaft

Was kostet eine Anwartschaftsversicherung?
Deutlich weniger als der normale Tarifbeitrag — die kleine Anwartschaft ist dabei spürbar günstiger als die große, weil sie keine Alterungsrückstellungen aufbaut. Die genaue Höhe hängt von Versicherer, Tarif und Alter ab; feste Sätze gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Je länger die Unterbrechung dauern soll und je älter Du bei der Rückkehr bist, desto eher lohnt der Aufpreis für die große Anwartschaft.
Was ist der Unterschied zwischen kleiner und großer Anwartschaft?
Die kleine Anwartschaft friert Deinen Gesundheitszustand ein: Bei der Aktivierung gibt es keine neue Gesundheitsprüfung, der Beitrag richtet sich aber nach Deinem dann erreichten Alter. Die große Anwartschaft konserviert zusätzlich Dein Eintrittsalter, weil die Alterungsrückstellungen weiter aufgebaut werden — Du kehrst später zu deutlich besseren Konditionen zurück, zahlst während der Pause aber mehr.
Wann kann ich die Anwartschaft wieder aktivieren?
Wenn der vereinbarte Grund für das Ruhen endet — etwa die Verbeamtung nach der Wartezeit, das Ende der Heilfürsorge mit der Pensionierung, die Rückkehr aus dem Ausland oder das Ende der Versicherungspflicht in der GKV. Wichtig: Die Fristen für die Aktivierung stehen im Vertrag und sind meist kurz — wer sie verpasst, verliert den Anspruch auf die prüfungsfreie Rückkehr.
Lohnt sich die Anwartschaft nach dem Referendariat?
Sehr oft, ja. Wer nach dem Vorbereitungsdienst zunächst angestellt arbeitet, wird in der GKV versicherungspflichtig — der günstige Anwärtertarif endet. Eine Anwartschaft hält Dir den Weg zurück in die PKV offen, sobald die Verbeamtung kommt: ohne neue Gesundheitsprüfung, auch wenn zwischenzeitlich Diagnosen dazugekommen sind. Gerade bei Lehrkräften mit Wartezeit auf die Planstelle ist das der Klassiker.
Brauche ich als Polizist mit Heilfürsorge eine Anwartschaft?
In den meisten Fällen ist sie dringend zu empfehlen. Die Heilfürsorge zahlt nur während des aktiven Dienstes — mit der Pensionierung wechselst Du in die Beihilfe und brauchst eine private Restkostenversicherung. Ohne Anwartschaft bewirbst Du Dich dann mit Ende 50 oder Anfang 60 und allen gesammelten Diagnosen neu um einen PKV-Tarif. Mit Anwartschaft ist Dir die Aufnahme vertraglich sicher.
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Ramon Heinze, Versicherungsmakler und Spezialist für Beamtenversicherungen
Über den Autor

Ramon Heinze

Versicherungsmakler · Spezialist für Beamtenversicherungen · Osnabrück

Seit 2016 in der Versicherungsbranche — ausgebildet bei der Debeka, einem der größten Versicherer im Beamtenbereich. Dort hat er das Beamtensegment von Grund auf gelernt und daraus seine Konsequenz gezogen: Wer an eine einzelne Gesellschaft gebunden ist, kann nicht für jeden Kunden die passende Lösung finden. Heute berät er als Versicherungsmakler ohne Anbieterbindung Beamte, Anwärter und Referendare — bundesweit.