PKV-Beiträge von der Steuer absetzen: Was Beamte wissen müssen
Deine Krankenversicherung ist einer der größten Posten in der Steuererklärung, und für Beamte gelten eigene Regeln. Der Höchstbetrag ist niedriger als bei Angestellten, ein Teil des Beitrags fällt heraus, und die meisten anderen Vorsorgeaufwendungen wirken sich am Ende gar nicht aus. Hier steht, wie der Abzug wirklich funktioniert, was der Versicherer für Dich erledigt und mit welchem legalen Hebel Du den Rahmen wieder freibekommst.
- Abziehbar ist die Basisabsicherung: der Teil des Beitrags, der Leistungen wie die gesetzliche Kasse abdeckt. Komfortanteile fallen heraus, und zwar abschließend geregelt: Heilpraktiker, Einbettzimmer, Chefarzt oder Zweibettzimmer, Zahnersatz und Implantologie, Kieferorthopädie.
- Die Pflegepflichtversicherung ist in voller Höhe abziehbar, ohne Abzüge.
- Der Höchstbetrag ist 1.900 €, nicht 2.800 €, weil die Beihilfe ein Anspruch auf Erstattung ohne eigene Aufwendungen ist (§ 10 Abs. 4 Satz 2 EStG). Bei Zusammenveranlagung addieren sich die Beträge.
- Der wichtigste Satz im Gesetz: Übersteigen die Basisbeiträge den Höchstbetrag, werden sie trotzdem voll abgezogen, aber Haftpflicht, Unfall und Risikoleben wirken dann gar nicht mehr (§ 10 Abs. 4 Satz 4 EStG).
- Der Versicherer meldet selbst: Er übermittelt die geleisteten und erstatteten Beiträge elektronisch (§ 10 Abs. 2b EStG). Für den Lohnsteuerabzug fließen die tatsächlichen Beiträge über die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale ein.
- Beitragsrückerstattung mindert den Abzug im Auszahlungsjahr. Ab 410 € Erstattung musst Du eine Steuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 3 EStG).
Nicht der ganze Beitrag zählt
Das Steuerrecht erkennt nur an, was der Absicherung auf Kassenniveau dient. Alles, was darüber hinausgeht, rechnet Dein Versicherer heraus. Welche Leistungen das sind, ist in einer eigenen Verordnung abschließend aufgezählt, Du musst also nichts schätzen.
Warum Haftpflicht und Unfallversicherung bei Dir nichts bringen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Steuererklärungen Geld liegen lassen, ohne dass es auffällt. Ein Beispiel mit 1.900 € Höchstbetrag, 2.600 € Basisbeitrag und 600 € Pflegepflichtversicherung.
Was daraus folgt
Deine Basisbeiträge sprengen den Rahmen fast immer. Das ist zunächst gut: Sie werden in voller Höhe abgezogen, obwohl sie über dem Höchstbetrag liegen. Der Preis steht im nächsten Satz desselben Absatzes: Ein Abzug der übrigen Vorsorgeaufwendungen scheidet aus.
Haftpflicht, private Unfallversicherung, Risikolebensversicherung und Arbeitslosenversicherung trägst Du damit vollständig aus versteuertem Einkommen. Sie in der Erklärung einzutragen, ändert am Ergebnis nichts. Das ist kein Fehler im Formular, sondern die gewollte Systematik.
Beiträge vorauszahlen und den Rahmen freiräumen
Das Gesetz erlaubt, künftige Beitragsjahre vorauszuzahlen und im Zahlungsjahr abzusetzen, solange die Vorauszahlung das Dreifache der Beiträge des laufenden Jahres nicht übersteigt (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 5 EStG). Der Effekt entsteht erst danach.
Du zahlst den laufenden Beitrag und künftige Beitragsjahre im Voraus. Alles zusammen wird in diesem Jahr abgezogen, weit über dem Höchstbetrag.
hoher AbzugKeine laufenden Krankenversicherungsbeiträge mehr. Der Rahmen von 1.900 € steht frei zur Verfügung.
Haftpflicht wirktDasselbe Bild: Unfall-, Risikolebens- und Arbeitslosenversicherung senken jetzt tatsächlich die Steuer.
Unfall wirktLetztes vorausbezahltes Jahr. Danach beginnt der normale Ablauf wieder, oder Du zahlst erneut voraus.
Risikoleben wirktDein Abzug und was die Vorauszahlung bringt
Der Rechner zeigt, wie viel von Deinen Beiträgen als Sonderausgabe zählt, wie viel andere Vorsorge bei Dir verpufft und welchen Vorteil die Vorauszahlung in den Folgejahren hätte.
Deine Zahlen
Beitragsrückerstattung und selbst gezahlte Rechnungen
Die Beitragsrückerstattung mindert Deine abziehbaren Beiträge im Jahr der Auszahlung. Ist die Erstattung höher als die Zahlungen, wird der Überhang zuerst mit gleichartigen Aufwendungen verrechnet, und ein Rest wird sogar dem Gesamtbetrag der Einkünfte hinzugerechnet (§ 10 Abs. 4b EStG). Ab 410 € Erstattung bist Du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.
Wer Rechnungen bewusst nicht einreicht, um die Rückerstattung zu retten, darf diese Kosten nicht von den erstatteten Beiträgen abziehen. Das hat der Bundesfinanzhof 2017 entschieden (Urteil vom 29. November 2017, X R 3/16), und 2018 bestätigt, dass Prämienzahlungen die abziehbaren Beiträge mindern (Urteil vom 6. Juni 2018, X R 41/17).
Selbst getragene Krankheitskosten, etwa wegen eines Selbstbehalts, sind keine Sonderausgaben. Sie kommen nur als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG in Betracht, oberhalb der zumutbaren Belastung.
| Zumutbare Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG) | bis 15.340 € | 15.340 bis 51.130 € | über 51.130 € |
|---|---|---|---|
| Ledig | 5 % | 6 % | 7 % |
| Zusammenveranlagt | 4 % | 5 % | 6 % |
| Mit einem oder zwei Kindern | 2 % | 3 % | 4 % |
| Mit drei oder mehr Kindern | 1 % | 1 % | 2 % |
Die Sätze gelten stufenweise: Der höhere Prozentsatz trifft nur den Teil der Einkünfte oberhalb der jeweiligen Grenze. Der Bundesfinanzhof hat das 2017 klargestellt und im Urteil selbst vorgerechnet: Bei 51.835 € Einkünften und einem oder zwei Kindern ergeben sich 1.408,70 € zumutbare Belastung (Urteil vom 19. Januar 2017, VI R 75/14).
Sechs Fehler in der Steuererklärung
Den vollen Beitrag eintragen
Nur der Basisanteil zählt. Der Versicherer weist ihn aus, und die Finanzverwaltung kennt ihn ohnehin. Wer den Gesamtbetrag einträgt, erzeugt nur eine Rückfrage.
Auf den 2.800-Euro-Rahmen setzen
Für Beihilfeberechtigte gelten 1.900 €. Wer mit dem höheren Betrag plant, rechnet mit einem Abzug, den es nicht gibt.
Haftpflicht als Steuersparmodell sehen
Sie ist sinnvoll, aber steuerlich bei den meisten Beamten wirkungslos. Der Abzug scheidet aus, sobald die Basisbeiträge den Rahmen sprengen.
Die Rückerstattung verschweigen
Der Versicherer meldet sie elektronisch. Ab 410 € wirst Du zur Abgabe verpflichtet. Wer sie weglässt, bekommt den Bescheid korrigiert.
Selbst gezahlte Rechnungen als Sonderausgabe ansetzen
Sie sind keine Beiträge. Nur die außergewöhnliche Belastung kommt in Betracht, und die zumutbare Belastung erreichen die wenigsten.
Die Beiträge der Kinder vergessen
Trägst Du sie wirtschaftlich, setzt Du sie als eigene an. Ohne die Identifikationsnummer des Kindes geht es allerdings nicht.
PKV und Steuer kurz beantwortet
Welcher Teil meines PKV-Beitrags ist absetzbar?
Wird mein Beitrag um 4 % gekürzt, weil Krankengeld enthalten ist?
Warum gelten für mich nur 1.900 Euro und nicht 2.800 Euro?
Bringt mir meine Haftpflichtversicherung steuerlich noch etwas?
Wie funktioniert die Vorauszahlung von Beiträgen?
Was passiert steuerlich mit einer Beitragsrückerstattung?
Kann ich die Beiträge meiner Kinder absetzen?
Kann ich selbst gezahlte Arztrechnungen absetzen?
Rechtsgrundlagen: § 10 Abs. 1 Nr. 3 und 3a, Abs. 2b, Abs. 4 und Abs. 4b EStG; Krankenversicherungsbeitragsanteil-Ermittlungsverordnung (KVBEVO); § 33 Abs. 3 EStG; § 39 Abs. 4 und 4a sowie § 39b Abs. 2 EStG; § 46 Abs. 2 Nr. 3 EStG; BFH-Urteile vom 19. Januar 2017 (VI R 75/14), 29. November 2017 (X R 3/16) und 6. Juni 2018 (X R 41/17). Stand: September 2026. Dieser Text erklärt die Systematik und ersetzt keine Steuerberatung.
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