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Vorerkrankungen

PKV mit Schwerbehinderung: So gelingt der Weg als Beamter

Ein Grad der Behinderung heißt nicht, dass die private Krankenversicherung für Dich verschlossen ist — als Beamter hast Du mit der Öffnungsaktion sogar eine Aufnahmezusage, die es so für keine andere Berufsgruppe gibt. Hier liest Du ehrlich, was rechtlich gilt, was Du angeben musst und was sich bei Beihilfe und Pension ändert.

Das Wichtigste in Kürze (Stand: August 2026):
  • Die Öffnungsaktion der PKV nimmt Beamte binnen 6 Monaten nach der Verbeamtung unabhängig vom Gesundheitszustand auf: keine Ablehnung, keine Leistungsausschlüsse, Zuschlag maximal 30 %.
  • Außerhalb der Aktion gilt: Pauschale Benachteiligung wegen Behinderung ist verboten (§ 19 AGG), eine risikobasierte Prüfung bleibt aber zulässig (§ 20 Abs. 2 AGG) — ein Annahmezwang besteht nicht.
  • Der Beihilfeanspruch ändert sich durch einen GdB nicht — die Sätze hängen an Status, Kindern und Familienstand.
  • Schwerbehinderte Bundesbeamte können auf Antrag ab 62 in den Ruhestand (§ 52 BBG); für Landesbeamte gelten eigene Landesregeln.
  • In der Pflegepflichtversicherung ist über die Öffnungsaktion gar kein gesundheitsabhängiger Zuschlag erlaubt (§ 110 SGB XI).
Ehrlich eingeordnet

Was rechtlich gilt — ohne Schönfärberei

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligungen wegen einer Behinderung ausdrücklich auch bei privatrechtlichen Versicherungen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 AGG). Derselbe Abschnitt erlaubt aber eine unterschiedliche Behandlung, wenn sie auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht — also auf einer versicherungsmathematischen Risikobewertung (§ 20 Abs. 2 AGG).

Im Klartext: Willkürliche oder pauschale Ablehnung ist verboten, eine risikobasierte Einzelfallprüfung mit Zuschlägen oder auch Ablehnung bleibt zulässig. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention (Art. 25) ändert daran unmittelbar nichts — sie verpflichtet den Staat, nicht den einzelnen Versicherer. Wer Dir „ein Recht auf Aufnahme in jede PKV" verspricht, verspricht zu viel.

Warum das für Beamte trotzdem gut ausgeht:

Für Beamte existiert mit der Öffnungsaktion eine branchenweite Selbstverpflichtung, die genau diese Unsicherheit beseitigt — mit einer Aufnahmezusage unabhängig vom Gesundheitszustand. Das PKV-Merkblatt zur Aktion trägt die Überschrift „Absicherung trotz Vorerkrankungen oder Behinderung". Kein anderer Berufsstand hat ein vergleichbares Fenster.

Der sichere Weg

Die Öffnungsaktion: Deine Aufnahmezusage

Innerhalb von sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung — maßgeblich ist der Antragseingang — gelten bei den teilnehmenden Versicherern feste Zusagen:

Grenzen: Die Aktion gilt nur für die erstmalige beihilfekonforme Restkostenversicherung, der Anspruch besteht beim Versicherer des verbindlichen Erstantrags, und die Gesundheitsfragen sind trotzdem vollständig zu beantworten. Alle Details, Fristen und teilnehmenden Gesellschaften: Ratgeber Öffnungsaktion mit Frist-Check.
Die Gesundheitsfragen

GdB im Antrag: meist eine Frage ohne Zeitgrenze

Während Behandlungen üblicherweise für einen begrenzten Zeitraum abgefragt werden, stellen die meisten Gesellschaften die Frage nach einer bestehenden Behinderung oder einem festgestellten GdB als Status-Frage ohne Rückschau-Grenze: „Besteht …?" Ein anerkannter GdB ist dann anzugeben — unabhängig davon, wann er festgestellt wurde.

Es bleibt beim Grundsatz des § 19 Abs. 1 VVG: Anzugeben ist, wonach in Textform gefragt wird — das aber vollständig. Falsche Angaben können den Schutz bis zu fünf Jahre nach Vertragsschluss kosten, bei Vorsatz oder Arglist bis zu zehn (§ 21 Abs. 3 VVG). Welche Fragen typischerweise kommen, zeigt der Fragen-Explorer zur Risikovoranfrage.

Beihilfe & Pension

Was sich mit dem GdB ändert — und was nicht

Nicht ändern wird sich Deine Beihilfe: Die Bemessungssätze hängen an Status, Kinderzahl und Familienstand, nicht am Grad der Behinderung.

Ändern kann sich der Ruhestandsbeginn: Schwerbehinderte Bundesbeamte auf Lebenszeit können auf Antrag ab dem 62. Lebensjahr in den Ruhestand versetzt werden (§ 52 BBG; ohne Schwerbehinderung ab 63, regelmäßig mit Versorgungsabschlag — für Landesbeamte gelten die jeweiligen Landesbeamtengesetze). Ein früherer Ruhestand bedeutet weniger Dienstjahre für den Ruhegehaltssatz — Deine Versorgungslücke kannst Du im DU-Lücke-Rechner nachrechnen.

Häufige Fragen

PKV mit Schwerbehinderung — kurz beantwortet

Darf mich eine private Krankenversicherung wegen meiner Schwerbehinderung ablehnen?
Eine pauschale Benachteiligung wegen einer Behinderung ist bei Privatversicherungen verboten (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 AGG). Eine unterschiedliche Behandlung bleibt aber zulässig, wenn sie auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht (§ 20 Abs. 2 AGG) — im Ergebnis sind risikobasierte Zuschläge und auch Ablehnungen möglich. Der verlässliche Weg ohne Ablehnungsrisiko ist für Beamte die Öffnungsaktion.
Muss ich meinen Grad der Behinderung im PKV-Antrag angeben?
Wenn danach gefragt wird — und das ist bei den meisten Gesellschaften der Fall, häufig als zeitlich unbegrenzte Frage nach einer bestehenden Behinderung oder einem festgestellten GdB. Es gilt § 19 Abs. 1 VVG: Anzugeben ist, wonach in Textform gefragt wird, das aber vollständig und wahrheitsgemäß.
Erhöht sich meine Beihilfe wegen des GdB?
Nein. Der Beihilfebemessungssatz hängt von Deinem Status, der Kinderzahl und dem Familienstand ab — nicht vom Grad der Behinderung. Was sich ändern kann, ist der Zeitpunkt der Pension: Schwerbehinderte Bundesbeamte können auf Antrag ab 62 in den Ruhestand (§ 52 BBG), mit entsprechend kürzerer Dienstzeit für den Ruhegehaltssatz.
Gilt die 30-%-Grenze der Öffnungsaktion auch bei hohem GdB?
Ja. Die Zusagen der Öffnungsaktion gelten unabhängig vom Gesundheitszustand: keine Ablehnung aus Risikogründen, keine Leistungsausschlüsse, Risikozuschlag höchstens 30 % des tariflichen Beitrags. Das PKV-Merkblatt zur Aktion nennt die Absicherung trotz Vorerkrankungen oder Behinderung ausdrücklich als Zweck.
Was gilt für die Pflegepflichtversicherung?
Bei Aufnahme über die Öffnungsaktion darf in der privaten Pflegepflichtversicherung überhaupt kein gesundheitsabhängiger Risikozuschlag erhoben werden (§ 110 Abs. 1 Nr. 2 d SGB XI) — für Menschen mit Behinderung oft der wertvollste Einzelpunkt der Aktion.
Meine 6-Monats-Frist ist abgelaufen — war es das?
Nein. Dann bleibt der reguläre Weg über die anonyme Risikovoranfrage: Wir holen Voten mehrerer Versicherer ein, ohne dass Dein Name fällt, und prüfen, wer Dich zu welchen Konditionen annimmt. Zusätzlich lohnt der Blick in die Sonderfälle der Öffnungsaktion — etwa für Beamte, die am 31.12.2004 bereits im Dienst standen. Die Details stehen im Öffnungsaktions-Ratgeber.
Quellen und Rechtsgrundlagen:

Antragsfragen-Praxis zum GdB: eigene Auswertung marktüblicher Antragsformulare, Stand August 2026 — ohne Gewähr; maßgeblich ist der jeweilige Antrag. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Ramon Heinze, Versicherungsmakler und Spezialist für Beamtenversicherungen
Über den Autor

Ramon Heinze

Versicherungsmakler · Spezialist für Beamtenversicherungen · Osnabrück

Seit 2016 in der Versicherungsbranche — ausgebildet bei der Debeka, einem der größten Versicherer im Beamtenbereich. Dort hat er das Beamtensegment von Grund auf gelernt und daraus seine Konsequenz gezogen: Wer an eine einzelne Gesellschaft gebunden ist, kann nicht für jeden Kunden die passende Lösung finden. Heute berät er als Versicherungsmakler ohne Anbieterbindung Beamte, Anwärter und Referendare — bundesweit.

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