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Vorerkrankungen

PKV mit Allergie oder Asthma: Was Beamte wissen sollten

Heuschnupfen hat fast jeder Zweite, und kaum jemand hält ihn für eine Vorerkrankung. In der Risikoprüfung ist er trotzdem eine — und wer eine Hyposensibilisierung laufen hat oder regelmäßig zum Asthmaspray greift, merkt das beim Antrag deutlich. Die gute Nachricht: Kaum ein Krankheitsbild ist so stark vom Zeitpunkt abhängig wie dieses.

Das Wichtigste in Kürze (Stand: September 2026):
  • Auch der harmlose Heuschnupfen ist anzugeben, wenn er im abgefragten Zeitraum behandelt wurde — jedes verschriebene Antihistaminikum und jedes Nasenspray auf Rezept steht in den Abrechnungsdaten.
  • Eine laufende Hyposensibilisierung ist eine laufende Behandlung. Sie führt im regulären Verfahren häufig dazu, dass die Entscheidung bis zum Abschluss zurückgestellt wird. Das ist Marktpraxis, keine feste Regel.
  • Der Zeitpunkt entscheidet mehr als die Diagnose: vor Beginn oder nach Abschluss der Therapie ist die Ausgangslage meist deutlich besser als mittendrin.
  • Asthma wird nach Schweregrad und Medikation bewertet. Ein Bedarfsspray, das selten zum Einsatz kommt, ist etwas anderes als eine tägliche Kombinationstherapie oder eine Krankenhausbehandlung wegen eines Anfalls.
  • Für Beamtenanfänger gilt auch hier die Öffnungsaktion: sechs Monate, Aufnahme garantiert, Zuschlag höchstens 30 Prozent, keine Leistungsausschlüsse — und laufende Behandlungen sind eingeschlossen.
Das unterschätzte Risiko

Warum Allergien in Anträgen so oft falsch beantwortet werden

Kein anderes Krankheitsbild wird so häufig versehentlich verschwiegen. Nicht aus böser Absicht, sondern weil Betroffene es schlicht nicht als Krankheit wahrnehmen.

„Das ist doch nur Heuschnupfen"

Für Dich ein saisonales Ärgernis, für den Versicherer eine dokumentierte allergische Erkrankung mit statistisch erhöhtem Risiko, später ein Asthma zu entwickeln. Genau deshalb wird danach gefragt — und genau deshalb fällt das Verschweigen später auf, wenn Abrechnungsdaten angefordert werden.

Das Spray in der Schublade

Ein Bedarfsspray, das Du zweimal im Jahr benutzt, fühlt sich nicht nach Behandlung an. Die Verordnung ist trotzdem eine. Sie anzugeben kostet Dich meist wenig bis nichts — sie wegzulassen kann den ganzen Vertrag kosten.

Der Allergietest ohne Folgen

Auch ein Pricktest, aus dem nie eine Behandlung wurde, ist ein Arztkontakt mit Befund. Ob er anzugeben ist, hängt an der Formulierung der Frage — meist erfassen die Fragen nach „Untersuchungen" oder „Beratungen" genau solche Termine mit.

Die entlastende Nachricht: Anzugeben heißt nicht, dass es teuer wird. Ein saisonaler Heuschnupfen ohne Asthma und ohne Dauertherapie führt bei vielen Gesellschaften zu gar keiner Konsequenz oder zu einem kleinen Zuschlag. Das Risiko liegt fast ausschließlich im Weglassen, nicht im Angeben — mehr dazu unter vorvertragliche Anzeigepflicht.
Der eigentliche Hebel

Hyposensibilisierung: vorher, mittendrin oder danach?

Eine spezifische Immuntherapie läuft je nach Verfahren etwa drei Jahre. In welcher Phase Du den Antrag stellst, macht in der Bewertung oft einen größeren Unterschied als die Allergie selbst.

ZeitpunktWas üblicherweise passiertEinordnung
Vor Beginn der Therapie Bewertet wird die Allergie allein. Bei saisonaler Pollenallergie ohne Asthma oft Normalannahme oder kleiner Zuschlag. Häufig die günstigste Ausgangslage — sofern die Therapie noch nicht geplant und dokumentiert ist.
Während der Therapie Laufende Behandlung. Im regulären Verfahren wird die Entscheidung häufig bis zum Abschluss zurückgestellt. Die ungünstigste Phase — es sei denn, die Öffnungsaktion steht offen, denn die schließt laufende Behandlungen ein.
Nach erfolgreichem Abschluss Abgeschlossene Behandlung mit dokumentierter Besserung. Wird in der Regel deutlich milder bewertet als eine unbehandelte oder laufende Allergie. Oft das beste Ergebnis — Abschlussbericht des Arztes beilegen, nicht nur aus dem Gedächtnis schildern.
Wichtig für Beamtenanfänger: Dieses Timing-Argument gilt nur, solange Du Zeit hast. Läuft gerade die Sechs-Monats-Frist der Öffnungsaktion, wiegt deren Sicherheit in aller Regel schwerer als eine bessere Bewertung in zwei Jahren — die Frist kommt nicht wieder. Wie viel Zeit Dir bleibt, rechnet der Öffnungsaktions-Check aus.
Asthma im Einzelnen

Woran der Versicherer den Schweregrad festmacht

„Asthma" allein sagt dem Risikoprüfer wenig. Er liest aus Deinen Angaben vier Dinge heraus — und die entscheiden über das Ergebnis.

  • Welche Medikamente und wie oft. Bedarfsspray bei Belastung ist etwas anderes als ein täglich inhalatives Kortison, und das wiederum etwas anderes als eine Kombinationstherapie.
  • Ob es Notfälle gab. Eine Krankenhausbehandlung oder ein Notarzteinsatz wegen eines Anfalls verändert die Bewertung deutlich — auch wenn es Jahre her ist.
  • Wie stabil der Verlauf ist. Mehrere Jahre ohne Verschlechterung und ohne Dosisanpassung sprechen für Dich.
  • Ob Begleitdiagnosen dazukommen. Allergisches Asthma mit Neurodermitis und Heuschnupfen wird anders bewertet als isoliertes Belastungsasthma.
Für Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr: Hier kommt ein zweites Thema dazu, das mit der Krankenversicherung nichts zu tun hat — die Frage der Verwendungsfähigkeit im Einsatzdienst. Das ist eine dienstrechtliche Beurteilung und keine versicherungsmedizinische. Für die Krankenversicherung zählt allein, was Deine Akte hergibt. Und wenn Du Heilfürsorge hast, geht es ohnehin zuerst um die Anwartschaft für die Zeit danach.
Die richtige Reihenfolge

Drei Wege in die PKV — und wann welcher greift

Bei Allergien und Asthma hängt die Antwort vor allem daran, ob gerade eine Behandlung läuft — und ob Du die Sechs-Monats-Frist noch hast.

Anonyme Risikovoranfrage

Immer der erste Schritt. Wir schildern Diagnosen, Medikamente und Verlauf ohne Deinen Namen mehreren Gesellschaften. Gerade bei mehreren allergischen Diagnosen nebeneinander gehen die Bewertungen weit auseinander.

Öffnungsaktion

Für Beamtenanfänger das Sicherheitsnetz: Aufnahme garantiert, Zuschlag höchstens 30 Prozent, keine Leistungsausschlüsse — und laufende Behandlungen wie eine Hyposensibilisierung sind eingeschlossen. Sechs Monate Frist.

Regulärer Antrag

Der Weg mit der größten Auswahl. Sinnvoll, wenn die Voranfrage ein gutes Ergebnis gebracht hat — oder wenn die Therapie abgeschlossen ist und die Akte für sich spricht.

Die Reihenfolge entscheidet. Ein abgelehnter Antrag ist keine Privatsache: Du musst ihn bei der nächsten Gesellschaft angeben, und er verschlechtert Deine Ausgangslage dauerhaft. Deshalb kommt die anonyme Voranfrage immer zuerst — sie läuft ohne Deinen Namen und hinterlässt keine Spur. Und wenn die Sechs-Monats-Frist der Öffnungsaktion läuft, muss die Voranfrage früh genug starten: Der Öffnungsaktions-Check rechnet Dir aus, wie viel Zeit noch bleibt.
Häufige Fragen

PKV mit Allergie oder Asthma — kurz beantwortet

Muss ich Heuschnupfen wirklich angeben?
Wenn die Frage den Zeitraum abdeckt und Du deswegen ärztlich behandelt wurdest oder Medikamente verschrieben bekommen hast: ja. Rezeptfrei in der Apotheke gekaufte Mittel ohne jeden Arztkontakt sind dagegen in der Regel nicht anzugeben, weil sie nirgends dokumentiert sind und keine ärztliche Behandlung darstellen — maßgeblich bleibt aber der Wortlaut der Frage. Die Angabe selbst ist meist unproblematisch: Saisonaler Heuschnupfen ohne Asthma führt bei vielen Gesellschaften zu keiner oder einer geringen Konsequenz.
Ich mache gerade eine Hyposensibilisierung. Soll ich warten?
Wenn Du Zeit hast: Der Abschluss der Therapie verbessert die Ausgangslage in der Regel deutlich, weil aus einer laufenden eine abgeschlossene Behandlung mit dokumentierter Besserung wird. Wenn Du keine Zeit hast, weil die Sechs-Monats-Frist der Öffnungsaktion läuft: nicht warten. Die Öffnungsaktion schließt laufende Behandlungen ausdrücklich ein und garantiert die Aufnahme — dieses Zeitfenster ist mehr wert als eine möglicherweise bessere Bewertung in zwei Jahren.
Bekomme ich mit Asthma einen Leistungsausschluss für die Atemwege?
Möglich ist das im regulären Verfahren, üblicher sind allerdings Zuschläge. Ein Ausschluss für Atemwegserkrankungen wäre besonders unangenehm, weil er weit über das Asthma hinausreichen kann. Genau hier liegt der Wert der Öffnungsaktion für Beamte: Dort sind Leistungsausschlüsse nicht erlaubt. Außerhalb der Frist gilt: über die anonyme Voranfrage gezielt eine Gesellschaft suchen, die ohne Ausschluss annimmt, statt den erstbesten Antrag zu stellen. Mehr dazu unter Leistungsausschluss.
Ich hatte als Kind Asthma, seit Jahren nichts mehr. Zählt das noch?
Das hängt am Rückfragezeitraum. Fragt der Antrag nach den letzten fünf oder zehn Jahren und Deine letzte Behandlung liegt weiter zurück, musst Du sie nicht angeben. Liegt sie im Zeitraum oder fragt die Gesellschaft unbegrenzt, gehört sie in den Antrag — dann aber mit dem wichtigen Zusatz, dass es sich um eine ausgeheilte Erkrankung im Kindesalter ohne Beschwerden seither handelt. Kindliches Asthma, das im Jugendalter verschwindet, ist häufig und wird bei langer Beschwerdefreiheit oft milde bewertet.
Habe ich mit einer Allergie Nachteile bei der Verbeamtung selbst?
Das ist eine dienstrechtliche Frage und hat mit der Krankenversicherung nichts zu tun. Die amtsärztliche Untersuchung prüft die Prognose Deiner Dienstfähigkeit bis zur Pensionsgrenze — eine gut behandelte Allergie oder ein leichtes Asthma stehen dem in der Praxis regelmäßig nicht entgegen. Anders kann es bei besonderen Verwendungen aussehen, etwa im Einsatzdienst mit Atemschutz. Für Deine private Krankenversicherung spielt all das keine Rolle: Sie prüft ausschließlich, mit welchen Behandlungskosten sie rechnet.
Was ist mit Neurodermitis oder einer Lebensmittelallergie?
Beides sind eigenständige Diagnosen und gehören separat in den Antrag. Neurodermitis wird nach Schweregrad, Behandlungsintensität und Verlauf bewertet — eine leichte, seit Jahren nicht behandelte Form anders als eine mit regelmäßiger Kortisontherapie. Bei Lebensmittelallergien kommt es darauf an, ob es je eine schwere Reaktion gab und ob ein Notfallset verordnet ist. Häufen sich mehrere allergische Diagnosen, bewerten Gesellschaften das oft als Gesamtbild — auch deshalb lohnt es, mehrere Gesellschaften anonym anzufragen statt nur eine.
Quellen und Rechtsgrundlagen:

Rückfragezeiträume und Annahmepraxis: eigene Auswertung marktüblicher Antragsformulare, Stand September 2026 — ohne Gewähr; maßgeblich ist der jeweilige Antrag. Diese Seite ersetzt keine Beratung im Einzelfall und ist keine Rechtsberatung.

Ramon Heinze, Versicherungsmakler und Spezialist für Beamtenversicherungen
Über den Autor

Ramon Heinze

Versicherungsmakler · Spezialist für Beamtenversicherungen · Osnabrück

Seit 2016 in der Versicherungsbranche — ausgebildet bei der Debeka, einem der größten Versicherer im Beamtenbereich. Dort hat er das Beamtensegment von Grund auf gelernt und daraus seine Konsequenz gezogen: Wer an eine einzelne Gesellschaft gebunden ist, kann nicht für jeden Kunden die passende Lösung finden. Heute berät er als Versicherungsmakler ohne Anbieterbindung Beamte, Anwärter und Referendare — bundesweit.

Erst anonym prüfen, dann entscheiden.

Beim Heuschnupfen entscheidet der Zeitpunkt, nicht die Diagnose.

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